Sonntag, 5. April 2009

Und ab in die Schublade - unbequeme Wahrheiten ganz einfach erschlagen

“Du bist ein Spinner - ein Verschwörungstheoretiker! Lass die Finger von dem Unsinn und diesen Sekten!”

Kennen Sie das? Eine von Ihnen zitierte Website oder eine kritische Bemerkung und schon stecken Sie drin in der Verschwörungsschublade?

Da kommen Sie auch kaum mehr raus - außer, Sie wechseln den Freundeskreis oder Ihre Behauptungen werden plötzlich Realität.

Aller Anfang ist schwer. Die “Neuen” von Ihnen erleben es wahrscheinlich gerade selbst jeden Tag und die alten Hasen können noch ein Lied davon singen. Die Rede ist vom “Missionieren”. Da hat man etwas Sensationelles für sich entdeckt und will diese Erkenntnis seinem gesamten Umfeld mehr oder weniger plump mitteilen.

Dieses Mitteilungsbedürfnis legt sich meist rasch wieder. Zu häufig und zahllos sind die völlig haltlosen “Gegenargumente” in Form von Denunzierung, Beschimpfung und des lächerlich gemacht Werdens.

Die Argumente sind in der Regel solcher Art:

  • Was für ein Esoterikkram.
  • Bist Du jetzt in einer Sekte?
  • Was bezahlt man Dir dafür?
  • Gehörst Du jetzt zur Rechten/Linken Ecke?
  • Du hast sie nicht mehr alle.
  • Wer sollte Dir das denn glauben?
  • Lass mich mit diesem Müll bitte in Ruhe.
  • Informier Dich erst mal, Du hast überhaupt keine Ahnung.
  • Der übliche Verschwörungsquatsch.

Wir wissen natürlich zu gut, dass die Denunzianten keine Fakten kennen. Sie glauben einfach alles, was man ihnen durch die Medien erzählt und welcher Meinung die Mehrheit folgt. Nur das zählt und kann richtig sein. Abweichungen von der Norm sind unsinnig und idiotisch, können nicht stimmen.

Woher kommt dieses Denken eigentlich? Diese schlafwandelnden Schnarchzapfen haben die Angewohnheit, alles blind zu glauben, was dem Mainstream, also dem geltenden Medienglauben entspricht. Alles was nur minimal davon abweicht, kann nicht richtig sein.

Dabei wäre es normalerweise jedermanns Pflicht, die Informationen, die er mitgeteilt bekommt, erst einmal nach verschiedenen Kriterien ganz grob zu prüfen. Beispielsweise folgende:

  • Wer teilt mir die Information mit? Wie glaubwürdig ist diese Quelle?
  • Gibt es nachvollziehare und nachprüfbare Fakten und Beweise?
  • Kann ich die Informationen auch selbst nachprüfen? Und wenn nein, warum nicht?
  • Welche weitere Instanz steckt dahinter?
  • Welche Interessen werden von dieser Instanz verfolgt?
  • Von wem wird diese Instanz unterstützt?
  • Wen fördert sie selbst?
  • Welche alternativen Meinungen gibt es zu dieser Information?
  • Cui bono - wem nutzt es?

Denken Sie immer daran, pure Ideologen gibt es nur ganz wenige.

Wie prüft man denn heute, ob etwas an einer Sache dran ist oder nicht? Einer der häufigsten Wege dürfte die Suche im Internet sein. Mal eben in Gugl “HIV existiert nicht” eingegeben und siehe da, 46.500 Ergebnisse. “HIV existiert sehr wohl” bringt dagegen 141.000 Suchergebnisse. Ergo: HIV existiert - Nachweis eindeutig erbracht.

Sie lachen? Was meinen Sie, wieviele unserer persönlichen Freunde genau so “recherchieren“? Wer prüft denn wirklich die Einzelheiten im Detail? Wer nimmt sich die Zeit und liest jeweils beide Seiten, wenn doch die eine Seite so offensichtlich überwiegt?

Du spinnst ja, natürlich ist CO2 für die Klimaerwärmung verantwortlich. Schalt mal den Fernseher ein oder schlag irgendeine Zeitung auf - niemand zweifelt ernsthaft daran, außer ein paar unseriösen Wissenschaftlern.

Alles klar? So läuft’s ständig. Doch das ist arm, wirklich arm für diejenigen, die diese Meinung vertreten. Der Mehrheit zu folgen muss genauso wenig richtig sein, wie aus Prinzip als Fisch gegen den Strom zu schwimmen.

Die Unterschiede zwischen Wahrheit und Lüge sind oft so minimal, dass man sie nicht ohne Suche finden kann.

Eine ebenfalls sehr folgenschwere Herangehensweise unserer lieben Mitmenschen ist es, alles in einen Topf zu werfen und zu pauschalisieren. Ist eine bestimmte Aussage einer Person oder Website nach der “allgemeinen” Einschätzung falsch oder als Verschwörungstheorie einzuordnen, gilt selbstverständlich alles, was von dieser Quelle stammt, ebenfalls als vollkommen unseriös. Einmal falsch - immer daneben. Selbst wenn diese Einschätzung auf rein subjektivem Wissen basiert: Schublade auf - Quelle rein - Schublade zu.

Schließlich, warum sollte man einer solchen Quelle auch nur im Entferntesten zutrauen, in beliebigen anderen Themen “korrekteres” Wissen zu haben, wo doch schon ein einziger Punkt offenkundig falsch ist?

Auch der Hintergrund spielt eine große Rolle. Die Äußerung einer prominenten Person zählt grundsätzlich mehr als die Behauptung eines dahergelaufenen Möchtegern-Weltverbesserers. Und mit welchem Recht verlangt ein solcher auch noch, dass man seine fabulösen Behauptungen selbst überprüfen möge? Man weiß doch, was richtig ist, also warum selbst prüfen? Reine Zeitverschwendung.

Die meisten Menschen müssen erst lernen, jeden einzelnen Aspekt selbst zu prüfen und von anderen Dingen klar abzugrenzen. Da der normale Weg - nichts selbst zu prüfen, sondern blind mit der Masse mitzuschwimmen - viel komfortabler und bequemer ist, ist selbiger auch viel ausgelatschter und breiter und erweckt nur selten den Anschein, dass er trügen könnte.

Totschlagargumenten kann man auf verschiedene Weisen entgegengehen. Ganz allgemein hilft der bekannte Satz “Wer fragt, der führt” in sehr vielen Fällen schon ein gutes Stück weiter.

  • Fragen Sie bei einer Pauschalisierung generell nach, woher diese Information stammt. Tun Sie das auch dann, wenn Sie glauben, die kommende Antwort bereits im voraus zu wissen.
  • Haken Sie gegebenenfalls so lange nach, bis der Pauschalisierende an einem Punkt anlangt, an dem er sich nicht mehr auf die Allgemeinheit oder allgemeines Wissen beziehen kann. Aber überziehen Sie es nicht, denn ab diesem Moment reagieren die Menschen in der Regel aggressiv, weil sie jetzt feststellen, dass ihr “Wissen” keinerlei Basis besitzt, sondern Nachgeplapper war.
  • Stellen Sie Fragen wie “Und was wäre, wenn es genau andersherum wäre?” oder “Woher wissen wir denn, dass uns hier niemand anlügt?”.
  • Hinterfragen Sie die möglichen Interessen hinter bestimmten Aussagen, denn diesen steht Ihr Pauschalisierer normalerweise ebenfalls genauso neutral gegenüber wie Sie selbst. Wem nützt es und wem schadet es offensichtlich?
  • Vermeiden Sie es, mit Totschlagargumenten zurückzuschießen. Diese Spirale lässt sich nicht mehr unterbrechen.
  • Stellen Sie möglichst keine Behauptungen auf, sondern versuchen Sie Ihren Gegenüber durch Ihre Fragen dahin zu bringen, dass er selbst feststellt, dass er sich über bestimmte Punkte noch keine eigenen Gedanken gemacht hat.
  • Zeigen Sie, dass Sie nichts einfach nur glauben, sondern sich immer beide Seiten anschauen wollen, bevor Sie sich ein Urteil erlauben.
  • Achten Sie darauf, dass Sie beide im Gespräch das Gesicht wahren. Gesichtsverlust will keiner gerne einstecken. Klopfen Sie Ihre argumentativen Erfolge daher nicht breit.

Das muss man natürlich üben. Von jetzt auf nachher funktioniert das Auflösen des Schubladendenkes unserer mediengesteuerten Mitmenschen nicht. Sie brauchen dazu etliche Versuchskaninchen. Nun, bedienen Sie sich einfach, es laufen genügend frei herum.

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