Dienstag, 26. April 2011

Japaner gehen gegen Atomkraft auf die Strasse

Eine Serie an Nachbeben  mit Stärken über 6 haben weitere Schäden angerichtet. Die neuesten Messungen der Radioaktivität zeigen einen sehr hohen Wert im Gebiet wo sich ein anderes Atomkraftwerk befindet, nämlich der Anlage in Tōkai in der Präfektur Ibaraki in der Nähe von Tokyo.




Das Kernkraftwerk Tōkai liegt rund 120 km nordöstlich von Tokio. In der Nähe befindet sich auch eine Wiederaufbereitungsanlage. Der Reaktor 1 ist ein gasgekühlter Reaktor. Er wurde am 31. März 1998 stillgelegt und wird seit 2006 abgebaut. Reaktor 2 blieb in Betrieb.

Am 11. März 2011 wurde das Kraftwerk aufgrund des schweren Tōhoku-Erdbebens abgeschaltet. Am Nachmittag des 13. März. 2011 ist offiziell die erste Alarmstufe ausgegeben worden, denn im Reaktor 2 hat eine von zwei Pumpen des Kühlsystems die Arbeit eingestellt. Weiterhin waren zwei der drei Dieselgeneratoren ausgefallen. Eine externe Stromversorgung konnte erst nach zwei Tagen wieder hergestellt werden.
Austretende Radioaktivität aus dem Atomkraftwerk Fukushima Eins, das durch den Tsunami am 11. März beschädigt wurde, ist in Milch, Wasser und Gemüse aus der Gegend rund um die Atomanlage nachgewiesen worden.
Wie man an der Karte sieht, ist also nicht nur das Explodierte Kernkraftwerk problematisch. Auch andere Japanische Reaktoren haben anscheinend Strahlungs Lecks.
Quelle:  Schallundrauch


Jetzt wachen die Japaner auf

Mehrere tausend Menschen haben am Sonntag in Tokio für einen Ausstieg aus der Atomenergie und für erneuerbare Energien demonstriert. Die Demonstranten, unter ihnen zahlreiche Jugendliche und Familien, hielten Spruchbänder, auf denen zu lesen war: «Bye bye Genpatsu» (Tschüss Atomkraft).
Bei einer weiteren Demonstration in der japanischen Hauptstadt protestierten ebenfalls tausende Menschen gegen den Betreiber des beschädigten AKW Fukushima, Tepco. Die Frage nach einem möglichen Ausstieg aus der Atomenergie wurde in Japan bislang nicht öffentlich diskutiert.

Mehr als 200 Bauern haben heute vor dem Hauptquartier des japanischen AKW-Betreibers Tepco demonstriert. Die Bauern, die von austretender Strahlung aus der havarierten Atomanlage Fukushima Eins im Nordosten des Landes betroffen waren, brachten zwei Kühe zu ihrem Protest nach Tokio mit.

Vor den Büros von Tepco hielten sie Schilder mit der Aufschrift «Stoppt Atomenergie» hoch, reckten die Fäuste in die Höhe und skandierten Slogans.



Quelle: NZZ

Wegen den Katastrophen, ist Japans Aussenhandelsüberschuss für den vergangenen Monat um 79 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gefallen. In nur einem halben Monat ein dramatischer Absturz der Exporte. Die japanische Wirtschaft ist schwer getroffen.
Der fehlenden Strom und die zerstörte Infrastruktur reduziert die Produktion. Doch auch viele japanische Produkte werden aus Angst vor Radioaktivität nicht mehr vom Ausland gekauft. So hat Südkorea den Import von Fisch und anderen Meeresfrüchten ab sofort verboten. Das Landwirtschafts- ministerium sagte am Mittwoch, das Verbot wurde verhängt, nach dem radioaktives Jod und Cäsium im Fisch entdeckt wurde.

Der Immobilienmarkt in Tokyo steht vor dem Zusammenbruch. Ein Zeichen dafür ist die Pleite eines der Immobilienfonds von Morgan Stanley, welcher seine Zahlungsverpflichtung in Höhe von $3,3 Milliarden nicht nachkam und deshalb den Schlüssel für einen Bürokomplex in Tokyo an Blackstone und andere Investoren aushändigte. Der Wert des 32–stöckige Shinagawa Grand Central Tower ist stark gefallen. Und so wird es allen Gebäuden in Tokio gehen, nachdem jetzt auch noch das in der nähe befindliche AKW offensichtlich Probleme hat und dort auch Strahlung austritt.

Das Unglück ist die bislang teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten. Etwa 220 Milliarden Euro, so Berechnungen der Regierung in Tokio, dürfte das Desaster unterm Strich kosten - unabhängig von den menschlichen Tragödien, die sich in der Krisenregion abspielen. 220 Milliarden, das sind, auf Deutschland umgerechnet, etwa zwei Drittel des Bundeshaushalts. Und nun erreicht die Jahrhunderttragödie auch deutsche Firmen.
Einige Unternehmen, die auf japanische Zulieferer angewiesen sind, erwägen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit, Kurzarbeit zu beantragen. "Uns liegen erste Anfragen aus dem Automobilbereich vor", sagte eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit der Süddeutschen Zeitung.

Sie rechnet damit, dass in den nächsten Wochen auch die ersten Anträge auf Kurzarbeitergeld wegen der Japankrise eingehen werden. Noch könnten Firmen, die auf Lieferungen aus Japan angewiesen sind, Engpässe ausgleichen. "Wir spüren aber schon jetzt einen gestiegenen Beratungsbedarf bei den Unternehmen. Die wissen ja, dass in ihren Lagern früher oder später die Teile aus Japan fehlen."
Die BA hat deshalb bereits juristisch geprüft, ob die Auszahlung von Kurzarbeitergeld wegen der Krise möglich ist. Herausgekommen ist dabei ein klares Ja, sofern das Unternehmen nachweisen kann, dass "Lieferengpässe nicht durch andere Lieferanten oder aus Lagerbeständen kompensiert werden können". Bei der Kurzarbeit kommt die BA für einen Teil der Verdienstausfälle auf, die verkürzte Arbeitszeiten verursachen.
Eine SZ-Umfrage unter deutschen Autobauern ergab: Bislang hat kein Hersteller offiziell Kurzarbeit beantragt. Jedoch wächst die Nervosität. Die Autobauer haben Angst, dass ihre Lieferketten nach Japan reißen könnten - und die Produktion zum Erliegen kommt.

Vor allem bei elektronischen Bauteilen drohen Engpässe

Bei Opel gibt es bereits Engpässe, hier mussten Anfang der Woche zwei Schichten ausfallen, weil Lieferungen aus Japan fehlten. Bei Daimler und BMW heißt es, man prüfe genau, "ob Teile und welche Teile fehlen". Ein VW-Sprecher erklärte, "aktuell" gebe es "keine Auswirkungen auf die Produktion".
Gleich nach dem Unglück sei eine Task Force aus Spezialisten eingerichtet worden, die täglich zusammenkomme, "um die Situation zu analysieren und die konzernweiten Lieferketten zu bedienen". Vor allem bei elektronischen Bauteilen drohen Engpässe. Mehrere japanische Chiphersteller haben ihre Fertigung während des Bebens heruntergefahren. Pausen von wenigen Sekunden aber bringen die Produktion für Wochen aus dem Takt.
Und noch immer etwa ruht die Fertigung zweier Unternehmen, die etwa ein Viertel der weltweit benötigten Siliziumscheiben stellen. Ohne die dünnen Scheiben kommt kein Chip aus - egal, zu welchem Zweck er später eingesetzt wird. Das macht die Chipbranche für andere Industrien so wichtig. Die Zeit drängt: Länger als zwei Wochen, so schätzen die Marktforscher von iSuppli, werden die Reserven nicht reichen.

Nokia rechnet mit Störungen

Bei Leiterplatinen, wie sie in Computern oder Handys stecken, sind die Ausfälle noch größer: Bei zwei japanischen Herstellern, die etwa 70 Prozent des Weltmarktes kontrollieren, stehen die Bänder still. Nokia hat erklärt, man rechne mit "einigen Störungen".
Es könne wegen einem Mangel an Bauteilen und Rohstoffen aus Japan Probleme bei der Auslieferung einiger Produkte geben. Der schwedischen Industriegewerkschaft IF Metall zufolge gibt es derzeit noch keine größeren Probleme. Die Betriebe warten ab. Diese Beschreibung bestätigt man beim Autohersteller Volvo.
Sprecher Per-Åke Fröberg zufolge gibt es derzeit dank Lagerbeständen noch keine akuten Mängel in der Produktion, das könne sich aber Ende nächster Woche ändern, falls keine neuen Bauteile aus Japan eintreffen. Ein Volvo besteht Fröberg zufolge zu zehn Prozent aus japanischen Bauteilen. "Das dürfte dem Durchschnitt auch bei anderen Herstellern entsprechen", sagte er.
Der Lkw-Hersteller Volvo Trucks ist über seine japanische Tochterfirma UD Trucks direkt vom Erdbeben betroffen. Schwierigkeiten gibt es vor allem in der Baumaschinensparte Volvo CE: Bei der Produktion von Baggern in Korea und China ist dem Konzern zufolge mit Beeinträchtigungen zu rechnen, weil wichtige Hydraulikteile aus Japan fehlen. Bagger produziert Volvo CE auch am deutschen Standort Konz- dort rechne man derzeit aber nicht mit Problemen, erklärte Volvo-Konzernsprecher Mårten Wikforss.

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