Montag, 2. Mai 2011

Das dreckige Geschäft mit dem Ölsand

Wegen der Ölpest im Golf von Mexico stand der BP-Konzern weltweit kurze Zeit unter medialem Beschuss. Weitgehend unbeachtet verübt der Ölmulti dabei seit Jahren ein Umweltverbrechen ähnlichen Ausmaßes einige tausend Kilometer nördlich. Es ist eine der dreckigsten Arten, Öl zu gewinnen und gleichzeitig eine der am schnellsten wachsenden Quellen von Treibhausgasausstoß: Der Ölsandabbau im kanadischen Alberta.

Im Golf von Mexiko strömen täglich 9,5 Millionen Liter Öl aus dem Bohrloch, von denen BP laut eigenen Angaben 2,3 Millionen abpumpt. Im gleichen Zeitraum pumpt die kanadische Ölindustrie über 500 (!) Millionen Liter giftige Abwässer in größtenteils natürliche Senkungen. Sogenannte saubere Verfahren wie beispielsweise die Lösung des Öl durch heißen Wasserdampfdruck verschaffen vor allem den Konzernen eine weiße Weste: Im Vergleich zum Abbau in offenen Minen erscheint die Umweltzerstörung in den Ölsandgebiete oberflächlich gering.


Solche In Situ- oder SAGD-Methoden sind wesentlich energieintensiver und damit klimaschädlicher als andere Abbaumethoden, erklärt Christoph von Lieven, Ölexperte bei Greenpeace. Die gelösten Giftstoffe bleiben von vorneherein in den tiefen Schichten verborgen und sickern ungesehen ins Grundwasser.
Während sich die Ölpest im Meer für BP zunehmend zu einer echten Katastrophe entwickelt, ist die Umwelt- und Menschenvergiftung in Kanada geduldetes Alltagsgeschäft. Den Unterschied bildet lediglich die Frage nach Schadensersatz, denn in Kanada muss die zivile Bevölkerung für die Schäden aufkommen, die durch die skrupellose Sucht nach Gewinnmaximierung entstehen.
Alles nur für das Öl und den Milliardengewinne, sagt von Lieven. Von Beyond Petrol wie der Firmenslogan verspricht, keine Spur. BP sei an einem der größten kanadischen Ölfelder, dem Husky-Feld, zu 50 Prozent beteiligt und plane eine Investition von drei Milliarden US-Dollar in eine weitere Raffinerie in Alberta.

 Noch im April 2010 fegten die Vorstände von BP einen Antrag vom Tisch, der auf den Ausstieg mehrerer Aktionärsgruppen aus dem Ölsandgeschäft abzielte. Das Argument: BP stände in Sachen umweltfreundliche Produktion an der Weltspitze und berücksichtige im globalen Vergleich die höchsten Umweltstandards. Dass dies eine dreiste Lüge war, ist durch die Ölkatastrophe am Golf offensichtlich, sagt von Lieven.



In Kanada hat BP ein leichtes Spiel, denn die Regierung selbst missachtet ihre Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll. Kanada hat zynischerweise im Juni 2010 beschlossen, den Treibhausgasausstoß statt der angekündigten 74 Megatonnen lediglich um zehn Megatonnen zu reduzieren, berichtet von Lieven. Das Land entzieht sich damit einer der wichtigsten Anstrengungen, die für eine Verlangsamung des Klimawandels notwendig sind.
Um Umweltverbrechen wie in Kanada oder im Golf von Mexico zu vermeiden, müssen fossile Energie-Lobbyisten Verantwortung übernehmen. Greenpeace fordert den Stop der Ölproduktion aus den Ölsanden. Die Abhängigkeit von fossilen oder tödlich strahlenden Energieträgern muss durch den Ausbau der erneuerbaren Energien und eine höhere Energieeffizienz beendet werden.

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